Das Landestheater brachte die Mozart-Oper auf die Bühne des Forums.
„Die Zauberflöte“Mozart-Oper wird in Leverkusen zur Geschichte der jungen Generation

Julia Gromball spielt „Die Königin der Nacht“.
Copyright: Timon Brombach
Ein großer Mond, ein leises Glockenspiel, junge Stimmen im Widerstreit mit der Macht: Im Forum Leverkusen gastiert mal wieder das Landestheater Detmold, am Dienstagabend mit einer „Zauberflöte“, die zuhört, zweifelt und berührt.
Regisseur Dirk Schmeding liest „Die Zauberflöte“ als Geschichte einer jungen Generation, die zwischen konkurrierenden Machtangeboten ihren eigenen Ton sucht. Tamino (Stephen Chambers) flieht, schreit um Hilfe, wirkt verletzlich und ungeübt in der Rolle, die ihm zugedacht ist. Er möchte eigentlich gar kein Prinz mehr sein und pfeffert die Uniform bis auf die Unterhose in die Ecke. Schmeding macht daraus kein politisches Pamphlet, sondern ein intimes Kammerspiel, das Nähe zulässt. Die Begegnungen wirken persönlich, die Konflikte körperlich spürbar.

Papageno (Jonah Spungin) und Pamina (Johanna Nylund) umstellt von wolfsartigen Anhängern des Systems.
Copyright: Timon Brombach
Humor blitzt auf, wo er entlastet, Klamauk bleibt präzise gesetzt. Wenn Sarastro (Ricardo Llamas Marquez) Prüfungen anordnet, schwingt weniger „Weisheit“ als Instrumentalisierung mit. „Nicht alles ist, wie es scheint“, lernt Tamino früh und das Publikum lernt mit. Pamina, gespielt von Johanna Nylund, steht im Zentrum dieser Lesart: bedrängt, gefordert, zerrissen zwischen Loyalität und Selbstbehauptung. „Liebe“, „Einsamkeit“, „Angst“ und „Tod“ verdichten sich zu Momenten, die im Raum hängen bleiben.
Klang zwischen Volkston und Sakralität in Leverkusen
Michael Spassov dirigiert den Abend mit klarer Hand und offenem Ohr. Die Partitur entfaltet sich als spannungsreiche Landschaft, in der sich Motive spiegeln und Bögen schließen. Der letzte Mozart steckt voller Ohrwürmer: „Total modern“, findet Dramaturgin Claudia Scherb. Der strubbelige Naturbursche Papageno wird verkörpert von Jonah Spungin, seine Lieder atmen Volkston und Erdung, die Koloraturen der „Königin der Nacht“ (Julia Gromball) schneiden scharf durch die Luft, Sarastros Klangwelt ruht in gravitätischer Tiefe. Spassov lässt diese Welten nebeneinander bestehen und hörbar miteinander sprechen.

Andreas Jörgen agierte als Sprecher.
Copyright: Timon Brombach
„Man kann das Werk auf sehr vielen Ebenen verstehen“, heißt es sinngemäß aus dem musikalischen Team und genau das wird hörbar. Chor und Orchester des Landestheaters Detmold formen einen warmen Resonanzraum, der die Szenen trägt und kommentiert. Die Musik wirkt wie ein Atem, der sich weitet und zusammenzieht, mal federnd, mal schwer, immer erzählerisch.
Pascal Seibickes Bühne arbeitet mit Übergängen. Türen werden zu Schwellen, Größenverhältnisse verschieben sich, der Mond dominiert als Zeichen für eine Nacht, die Erkenntnis verspricht und Orientierung entzieht. Und dann ist da Geröll. Kostüme zeichnen Figuren zwischen Kindheit und Erwachsensein, zwischen Uniform und Individualität. Das Licht modelliert Räume, lässt Stille sichtbar werden und lenkt den Blick auf innere Kämpfe. Besonders eindrücklich sind die Momente, in denen die drei Knaben als innere Stimmen erscheinen, als leise Korrektive in Zeiten der Not. Eine „Zauberflöte“ wird erst durch die Darstellenden zur „Zauberflöte“. Die Bilder bleiben nicht Selbstzweck, sie erzählen mit und öffnen Assoziationsräume: Um 22:15 Uhr jubelt der Chor, die Ordnung scheint hergestellt, doch die jungen Menschen schweigen.
