Samstag, 17.01.26 23:48Uhr
4.1°C

Seit Jahrzehnten geschlossenExklusiver Einblick in Haus Felsenkeller in Altenberg

4 min
Ein altes Ausflugslokal in Altenberg, mit Fachwerkfassade

Am Tag des offenen Denkmals konnte nach langer Zeit auch das Haus Felsenkeller in Altenberg wieder besucht werden.

Nach langer Zeit konnten Besucher das ehemalige Ausflugslokal wieder besichtigen.

Aufwendig gestaltet ist die Saaldecke, unter der einst rauschende Fest gefeiert worden sein mögen. Doch das ist Jahrzehnte her. Denn die Zeiten, da Haus Felsenkeller in Altenberg ein Ausflugslokal war, sind lange her.

Umso grĂ¶ĂŸer war das Interesse, am Tag des offenen Denkmals einen Blick hinter die Fachwerkfassade des Hauses werfen zu können, das den Platz hinter dem barocken Torbogen gegenĂŒber dem Altenberger Dom dominiert. Das GebĂ€ude, erbaut in direkter Blickachse zu Tor und Westfenster des Domes, ist zwar in die Jahre gekommen, zeigt aber noch deutlich seine einstige Pracht.

Der Erbauer war durch den Altenberger Dom wohlhabend geworden

Erbauer Robert Keller, der durch seine Beteiligung und Arbeiten beim Aufbau des Altenberger Domes regional bekannt und wohlhabend wurde, errichtete es als Ausflugslokal. Dabei sollte sein „GebĂ€ude in Beziehung zur gesamten Raum- und Ortskomposition des Umliegenden“ stehen: dem Felsenkeller im Haus, dem mĂ€chtigen Dom gegenĂŒber und der Kronprinzengrotte, deren Reste sich auch heute noch oberhalb des Baus an der Felsenkante finden.

Als der preußische Kronprinz Wilhelm die Gelder zum Wiederaufbau der bei einem Brand 1815 teilweise zerstörten ehemaligen Klosterkirche freigab, legte er damit auch den „Grundstein zur Wiedererrichtung des Raumkonzepts an bemerkenswertem Ort“.

Die Ausstattung des Hauses in Altenberg war „sĂŒndhaft teuer“

Den Bau des Felsenkellers unterstĂŒtzte die preußische Reichsregierung ebenfalls, davon zeugen nicht zuletzt die „zur damaligen Zeit sĂŒndhaft teuren Bodenfliesen von Villeroy und Boch im Eingangsbereich, mit heraldischen Elementen wie Lilien und stilisiertem, preußischem Adler“, erlĂ€uterte Oskar Wache, der am Tag des offenen Denkmals durch das GebĂ€ude fĂŒhrte.

Blick aus dem Fenster von Haus Felsenkeller in Altenberg auf den Torbogen.

Das Haus Felsenkeller in Altenberg, mit Blick auf Torbogen und - wenn die BlÀtter fallen - auch auf den Dom.

„Gebaut wurde das Haus wahrscheinlich zwischen 1880 und 1900, in der Zeit kurz nach GrĂŒndung des Deutschen Kaiserreiches. Ganz genau lĂ€sst sich das heute nicht mehr sagen“, so Wache. Detailliert beleuchtete der Doktorand den geschichtlichen Kontext, die Intentionen des „autodidaktisch begabten“ Bauherrn und architektonische Aspekte des lichtdurchfluteten Baus, der in drei Bauabschnitten entstand und ein vorher dort vorhandenes bergisches Schieferhaus ersetzte.

Der Erbauer hat die Fertigstellung des Ausflugslokals nicht mehr erlebt

Die „irgendwann nach 1866“ gebaute Pferdeumspannstation an der rechten Seite des Felsenkellers ist der Ă€lteste Teil, dann folgten das sĂŒdliche Giebelhaus und seine Lauben. Erst danach, bereits von der Witwe Keller, wurde das mittige Traufhaus renoviert oder neu gebaut. 1900 verstorben, hat der Erbauer die endgĂŒltige Fertigstellung des Ausflugslokals, „seines Felsenkellers“, nicht mehr erlebt.

Ein Saal mit grĂŒnen WĂ€nden und Deckenmalereien. Vier Leute besichtigen den Raum.

Der aufwendig gestaltete Saal zeugt vom ehemaligen Glanz des Hauses.

Sein Bestreben, eine Verbindung zum Dom, dem Historismus, der Neogotik und Sakralem zu schaffen, spiegeln sich jedoch bis heute wider, auch wenn Keller mit der Architektur des Hauses eine klare Betonung auf die Horizontale und damit einen bewussten Gegensatz zur eigentlichen neugotischen Philosophie der Vertikalen geschaffen hat.

Die TĂŒr des Felsenkellers bleibt verschlossen

Als Besitzer eines Eichenwaldes an der Neschener Straße sowie eines eigenen SĂ€gewerkes mögen ihn Gedanken der Nachhaltigkeit beeinflusst haben, das Obergeschoss in Fachwerkbauweise zu errichten. Dass dieses im frĂ€nkischen und nicht bergischen Stil geschah, ist seiner zufĂ€lligen Bekanntschaft mit einem frĂ€nkischen Zimmermann auf Wanderschaft durch Altenberg geschuldet, den Keller kurzerhand mit den Arbeiten beauftragte.

Blau-weiße Bodenfliesen mit einem Adlermotiv.

Die Bodenfliesen kosteten den Erbauer des Hauses ein Vermögen.

Im Inneren des Hauses, gleich gegenĂŒber vom Eingangsportal, liegt die TĂŒre zum Felsenkeller. Nur kurz können die Besucher ein Blick in die ehemalige SchĂ€nke, allerdings neuzeitlich renoviert, werfen. Das Obergeschoss, einst von GĂ€sten des Lokals zum Verweilen oder fĂŒr große FestivitĂ€ten genutzt, folgt dem „mittelalterlich gotischen Raumkonzept“.

Das Haus in Altenberg soll saniert werden

Durch RĂ€ume mit niedrigen Decken gelangt man in den Hauptteil und ist beeindruckt von einem rund fĂŒnf Meter hohen Festsaal. Farbige Deckenmalereien zeigen die Wappen der Zisterzienser-Äbte und schaffen so eine weitere Verbindung zum ehemaligen Kloster und dessen Abtei-Kirche, dem heutigen Altenberger Dom.

Das ehemalige Ausflugslokal mit zehn Hotelzimmern wurde in jĂŒngerer Zeit jahrelang als Wohnhaus genutzt, im vergangenen Jahrhundert mehrfach, in wenig denkmalgerechtem Sinne renoviert und zuletzt durch das Starkregenereignis 2021 stark in Mitleidenschaft gezogen. Doch die Ideen von Robert Keller, Blickachsen herzustellen, ZusammenhĂ€nge aufzuzeigen, GegensĂ€tzliches zu verstĂ€rken und „das Sakrale in das Weltliche hineinzutragen“ so Wache, sind heute so greifbar wie vor einem guten Jahrhundert.

Immer noch in Familienbesitz, möchten die EigentĂŒmer das Haus in alter Pracht auferstehen lassen: „Anfragen zur Nutzung gibt es viele, von Gastronomie bis zur Kunstszene - aber davor steht eine umfassende Sanierung und unter denkmalschutzgerechten Aspekten“, so Wache. Mit Blick auf die erlittenen WasserschĂ€den 2021, sowie die vielen kleineren und grĂ¶ĂŸeren Blessuren, die der Felsenkeller im Laufe der Zeit davongetragen hat, darf man mit den EigentĂŒmern hoffen, dass hier keine Jahrhundertaufgabe wartet.