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Auf den Spuren von Maske und SchmelingGebürtiger Leverkusener Kabayel setzt sich in Box-Weltspitze fest

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Agit Kabayel im Kampf gegen Zhang Zhilei.

Der noch ungeschlagene Agit Kabayel (l.) steht vor seinem 27. Profikampf: In Oberhausen trifft er auf Damian Knyba aus Polen.

Im Rheinland geboren, im Ruhrgebiet sozialisiert – nun setzt Agit Kabayel auf den ganz großen Wurf im Schwergewichtsboxen.

Box-Weltmeister und Leverkusen – bei der Verbindung dürften, zweifelsohne auch außerhalb der Stadtgrenze, viele schnell an Henry Maske denken. Maske, der am 6. Januar seinen 62. Geburtstag feierte, zählte zu den prägenden Figuren des Box-Booms in den 90er-Jahren. Während seiner aktiven Laufbahn war es seine Brandenburger Heimat, die omnipräsent war, wenn es um den „Gentleman“ ging. Immerhin holte Maske 1988 noch als DDR-Athlet die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Seoul.

Nach seinem Karriereende wurde aus dem einstigen DDR-Vorzeigeathleten dann ein Leverkusener Aushängeschild. Sportlich hieß es für Maske nach der Niederlage im WM-Kampf gegen Virgil Hill im November 1996 „Time to say goodbye“, seine Verbindung zum Rheinland sollte er aber erst in den darauffolgenden Jahren so richtig ausleben.

Der heute 62-Jährige verlegte seinen Lebensmittelpunkt nach Leverkusen, eröffnete hier 2000 die nicht nur bei Bayer-04-Fans legendäre „McDonald’s“-Filiale in der Bay-Arena. In den Folgejahren übernahm er weitere Schnellrestaurants des Marktführers in der Stadt – unter anderem in Opladen.

Henry Maske und Wolfgang Holzhäuser posieren in einer Leverkusener Filiale von „McDonald’s“.

Die Verbindung von Henry Maske (2.v.r.), hier 2009 mit Ex-Bayer-04-Boss Wolfgang Holzhäuser (2.v.l.), zu Leverkusen wurde nicht zuletzt aufgrund seiner „McDonald’s“-Filialen in der Stadt deutschlandweit bekannt.

Auf den Spuren Maskes befindet sich mittlerweile Agit Kabayel, aktuell Interims-Weltmeister des Box-Weltverbandes WBC im Schwergewicht. Was beide eint: die Verbindung nach Leverkusen – allerdings mit umgekehrter Zeitleiste. Maskes Zeit in der Farbenstadt begann nach seinen großen Box-Erfolgen, Leverkusen prägte Kabayel lange vor dem Beginn seiner Laufbahn.

Agit Kabayel spricht über erste Schritte bei Bayer 04

Denn der noch ungeschlagene Kabayel, der am Samstag, 10. Januar, in der ausverkauften Rudolf Weber-Arena in Oberhausen seinen Interims-Titel vor 13.000 Zuschauerinnen und Zuschauern verteidigt, wurde am 23. September 1992 in Leverkusen geboren.

Im Interview mit der „Magdeburger Volksstimme“ sprach der Schwergewichts-Boxer über seine Wurzeln: „Meine Familie stammt aus dem kurdischen Teil der Türkei. Im Zuge der gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der PKK sind viele nach Deutschland geflüchtet“ – so auch Kabayels Eltern.

Schwergewichtsboxer Agit Kabayel steht auf einem Bolzplatz in Wattenscheid.

Aus seiner Geburtsstadt Leverkusen zog Agit Kabayel dann ins Ruhrgebiet, nach wie vor lebt er in Bochum-Wattenscheid.

In Leverkusen machte der 33-Jährige dann seine ersten Schritte – auch in sportlicher Hinsicht. Er „habe mit vier oder fünf Jahren bei den Minikickern von Bayer 04 angefangen, Fußball zu spielen“, schilderte Kabayel einst bei „Fußball.de“.

Die Verbindung zur Stadt und Bayer 04 bleibt auch Jahrzehnte später. Bei einem TV-Auftritt im Rahmen des Champions-League-Aufeinandertreffens zwischen Leverkusen und Bayern München im März 2025 machte Kabayel keinen Hehl daraus, dass er natürlich Bayer 04 unterstütze.

Allerdings schlagen da zweifelsohne zwei Herzen in der Brust des Deutschen mit kurdischen Wurzeln. Denn schon in jungen Jahren verließ der gebürtige Leverkusener die Stadt, zog mit seiner Familie ins Ruhrgebiet. Kabayel wurde durch das Aufwachsen in Bochum-Wattenscheid geprägt, das zeigt er bei öffentlichen Auftritten und in Interviews immer wieder. Dort lebt er noch heute – für das Training zieht es den Boxer nach Düsseldorf, quasi auf halbem Wege zwischen seiner Geburtsstadt und der Stadt, in der er als Heranwachsender sozialisiert wurde.

In der Weltspitze ist er auf jeden Fall angekommen.
Henry Maske über Agit Kabayel

Mit dem Thema „Heimat“ wird der 33-Jährige schon seit Beginn seiner Profilaufbahn immer wieder konfrontiert – aufgrund der Herkunft seiner Familie. „Ich bin Kurde und ich bin Deutscher“, sagte er bei Dazn vor seinem bevorstehenden Kampf gegen den Polen Damian Knyba in Oberhausen. „Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, aber meine Identität werde ich niemals im Leben leugnen, weil jeder, der die Geschichte der Kurden kennt, weiß, dass wir es in der Geschichte nie einfach gehabt haben.“ Deutschland sei allerdings seine „Heimat“.

Im deutschen Boxsport hat der gebürtige Leverkusener die Chance, Geschichte zu schreiben. Seit Max Schmeling, von 1930 bis 1932 Titelträger, gab es keinen deutschen Schwergewichts-Weltmeister mehr. Auf den ganz großen Kampf gegen den amtierenden Weltmeister Oleksandr Usyk (Ukraine) hofft Kabayel. Viele Expertinnen und Experten sehen ihn längst an der Reihe, den Titelträger herauszufordern. Mit einem überzeugenden Erfolg gegen Knyba würde der 33-Jährige einmal mehr Eigenwerbung betreiben.

Für den langjährigen Wahl-Leverkusener Maske, der die „McDonald’s“-Filialen in der Farbenstadt mittlerweile hinter sich gelassen hat, ist klar: „In der Weltspitze ist er auf jeden Fall angekommen.“ Für Streaminganbieter Dazn, der den Kabayel-Kampf übertragen wird, stand der 62-Jährige im Vorfeld für ein ausführliches Interview zur Verfügung. Auf Gemeinsamkeiten wurde Maske da auch angesprochen – die Leverkusener Verbindung der beiden nannte er dabei übrigens nicht. Nicht zuletzt, weil Kabayel immer noch in Bochum lebt, wird er häufig allen voran mit dem Ruhrpott in Verbindung gebracht. Sollte ihm aber künftig der ganz große Wurf gelingen, wird sicherlich auch bei einigen einstigen Weggefährten der Familie in Leverkusen die Freude groß sein.