Jede Nacht fahren Freiwillige mit dem Kältebus durch die Stadt und unterstützen Obdachlose.
ObdachloseKältebus versorgt Menschen in Leverkusen in frostigen Nächten

Deniz Palabiyikli (M.) vom Kältegang Leverkusen, hier bei der Übergabe des neuen Busses Anfang 2024 mit Markus Grawe, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Bürgerstiftung Leverkusen, (l.) und Gernot Paeschke Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Leverkusen, fährt mit weiteren Ehrenamtlern Nacht für Nacht zu Obdachlosen.
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Jede Nacht fährt derzeit der Kältebus über eine festgelegte Route durch die Straßen der Stadt und sucht Obdachlose auf, die trotz der Minustemperaturen unter freiem Himmel übernachten. Drei bis fünf Personen seien es aktuell jede Nacht, berichtet Deniz Palabiyikli im Gespräch mit dem „Leverkusener Anzeiger“.
Palabiyikli ist im Vorstand des Vereins „Make it happen“ und leitet das Projekt Kältegang. „Wir schauen bei unseren Ausfahrten, wer akut und direkt Hilfe braucht“, so Palabiyikli. Die Freiwilligen geben den Obdachlosen Tee, Kaffee, heißes Wasser oder auch eine Fertigsuppe. Die engagierte Frau weiß, dass sie und ihr Team sicher nicht alle auf dem Stadtgebiet lebenden Obdachlosen, die nachts auf der Straße sind, erreichen. Und das hat auch mit Übergriffen zu tun.
Vermutlich in der Silvesternacht hätten Unbekannte die Luftmatratze eines Obdachlosen, die dieser auf der Bullenwiese abgelegt hatte, mit Feuerwerkskörpern unbrauchbar gemacht, nennt sie ein Beispiel für solche Übergriffe. Den Obdachlosen selbst haben die Ehrenamtler seitdem nur noch einmal zu Gesicht bekommen. Wer auf der Straße lebt, macht sich nachts unsichtbar, um vor solchen Attacken sicher zu sein.

Auch das ist ein Angebot des Kältegangs Leverkusen: Gulaschsuppe für Obdachlose, hier 2021 während der Corona-Pandemie.
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Doch Palabiyikli lässt sich von solchen Ereignissen nicht entmutigen. Allerdings könnten sie und ihre vier Mitstreiter noch mehr Freiwillige gebrauchen, die sich mit dem Kältebus auf die nächtliche Tour machen. Wer daran Interesse hat, soll sich bei der Vereinsvorständin einfach per Whatsapp unter 0157/36666179 melden.
Palabiyikli bittet auch Leverkusenerinnen und Leverkusener, die in der Dunkelheit Obdachlose auf der Straße sehen, sich unter der Handynummer an das Projekt Kältegang zu wenden. Aber sie fügt hinzu: „Es ist wichtig, dass die Leute kurz abwägen. Wenn Sie jemanden sehen, der oder die akut in Not ist, nicht mehr ansprechbar oder sonst erkennbar direkte medizinische Hilfe nötig hat: Bitte nicht uns, sondern sofort den Notruf 112 anrufen, damit ein RTW kommt.“
Bei der Versorgung der Obdachlosen mit heißen Getränken in frostigen Nächten hofft Palabiyikli auch auf Unterstützung durch Gewerbetreibende in der Stadt. „Wir haben die Aktion ‚Heißwasserpaten gesucht‘ ins Leben gerufen. Das sind Geschäfte wie Kioske, Tankstellen oder Kneipen – keine Privatpersonen –, wo sich Obdachlose mit heißem Wasser versorgen können. Es geht nicht darum, dass die Geschäfte ihnen einen Kaffee spendieren sollen. Heißes Wasser genügt.“ Geschäfte, die sich beteiligen, bekommen vom Projekt Kältgegang einen Sticker an die Eingangstür. „So wissen die Obdachlosen: Hierhin kann ich mich wenden, wenn ich mal heißes Wasser brauche.“
Der Verein Make it happen verteilt auf dem Wiesdorfer Marktplatz auch Gulaschsuppe an Obdachlose. Er finanziert sich ausschließlich über Spenden. Im vergangenen Jahr war das Spendenaufkommen drastisch eingebrochen.
